Die "Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus" stehen methodisch für die politische Sozialgeschichtsschreibung. Unser Ziel ist es, durch betont empirische Geschichtsforschung zur Erklärung der beunruhigenden Stabilität und Effizienz des NS-Regimes beizutragen und vereinfachender Mythenbildung und reiner Ideologiebezogenheit entgegenzuwirken. Dazu gehört, theoretische Modelle und Deutungsangebote im Hinblick auf ihre Erklärungskraft für die NS-Geschichte zu überprüfen.
Gegenüber den "Beiträgen" der ersten Jahre hat sich der Schwerpunkt von politischen Planungen, Utopien und Eliten hin zur Untersuchung der politischen Praxis im "Dritten Reich" und zur Betrachtung breiter sozialer Gruppen verlagert. Die in der Forschung gegenwärtig vorherrschende Trennung von Wirtschafts- und Sozialgeschichtsschreibung erscheint uns eher erkenntnishemmend. Wir nehmen regionale, nationale und internationale Perspektiven in den Blick und gehen über die gängigen, von den Rahmendaten 1933 und 1945 markierten zeitlichen Zäsuren hinaus, um Kontinuitätslinien und Wendepunkte in Politikfeldern und Biographien sowohl in der Vor- als auch in der Nachgeschichte des "Dritten Reiches" auszumachen.
Die "Beiträge", die weiterhin einmal jährlich erscheinen und ihren ausführlichen Rezensionsteil beibehalten, richten sich keineswegs ausschließlich an das fachwissenschaftliche Publikum. Vielmehr wollen wir im Sinne der Interdisziplinarität und des internationalen Austausches auch Forscherinnen und Forscher aus anderen Fächern und anderen Ländern ein Forum zum wissenschaftlichen Austausch bieten.
Die Redaktion hat sich mit Erscheinen von Band 20 verändert: Christian Gerlach mußte aus beruflichen Gründen ausscheiden, was für uns einen Verlust bedeutet, denn die "Beiträge", zu deren Wegbereitern er zählt, haben ihm viel zu verdanken. Im Wissen, daß er uns als Autor und Rezensent verbunden bleiben wird, danken wir Christian Gerlach herzlich. Mit Birthe Kundrus, Sven Reichardt und Sybille Steinbacher haben wir drei Redakteurinnen und Redakteure gewonnen, die beitragen werden, unseren Anspruch auf kritische NS-Geschichtsforschung weiterhin zu erfüllen.